Rest in Peace - Abschied von meiner Freundin
Freundschaft

Rest in Peace – Abschied von meiner Freundin

Wie ein Echo klingeln die Worte in meinem Kopf: „Rest in Peace. Du kannst nichts mehr tun. Du musst Abschied nehmen.“ Aber wie geht das? Wie lässt man einen Menschen gehen, den man fest im Herzen trägt und der einem immer noch wichtig ist? Wann ist viel zu viel? Ich bin überfordert. Und das schon seit einigen Wochen. Aber von vorne.

Ich hatte eine gute Freundin. Genau genommen gehörte sie zu meinen fünf engsten und liebsten Freundinnen. Sie war für mich in mehr als einem Bereich ein echtes Vorbild. Oft konnte ich unsere Treffen kaum erwarten und ihre Worte und Begeisterung für Jesus spornten mich immer wieder an, mein Bestes für Jesus zu geben.

Meine Freundin, nennen wir sie Mara, lernte Ende zwanzig Jesus als ihren Schöpfer kennen und verliebte sich leidenschaftlich in ihn. Ihre Beziehung zu ihm faszinierte mich: Intensiv, persönlich und wunderbar. Mehr als ein Mal hinterfragte Mara meine über viele Jahre gewachsenen Ansichten und Glaubensvorstellungen. Ihre Nähe war wie eine Frische Brise in meinem vorhersehbaren Leben als Christ. Ich nahm die Herausforderung an. Aber sie war noch jung im Glauben und …

… ließ sich von jeder Strömung mitreißen.

Es fing harmlos an: Sie begann unsere Gemeindeleitung zu hinterfragen (hey, das ist eigentlich eine gute Sache, wenn man selbst mitdenkt!). Sie suchte sich Freunde, die schlechte Glaubensvorbilder waren, die an jeder Gemeinde etwas auszusetzen hatten und nie verstanden, dass sie selber mit ihrer Kritiksucht das eigentliche Problem waren. Sie meinte, Gottes Stimme zu hören und fastete drei Monate jegliche Gemeindebesuche. Schritt für Schritt entfernte sie sich nicht nur von der Gemeinde, sondern wurde immer kritikresistenter. Und …

… verließ die Gemeinde.

Ich verstand ihre Gedanken und Motive gut, aber ich sah auch die Fehler. Längst war sie nicht mehr bereit, Kritik anzunehmen. Auch ihre zweite Gemeinde wurde kein Zuhause für sie – natürlich war auch diese Gemeinde nicht biblisch genug. Und wieder zog sie sich ein Stück weiter zurück. Sie begann, Ausreden zu erfinden, warum sie die Gemeinde nicht mehr besuchen konnte. Keine Zeit, Masken in der Gemeinde tragen ist doof, sie müsse sich in der Gottesdienstzeit gemeinsam mit ihrem Mann um ihre Tochter kümmern, sie hätte zu viel zu studieren, … Und dann …

rutschte sie in Verschwörungstheorien.

Ob sie den Staat hinterfragte, die Corona-Politik, die Ärzte oder die Gemeinde – überall begann sie Skandale aufzudecken und zu entdecken, dass nirgendwo der Himmel auf Erden herrscht. Jesus und sein Ziel für ihr Leben trat in den Hintergrund. Sie hatte nie gelernt, auf Jesus alleine zu sehen, stetig und treu an einem Ort zu bleiben und sich dort formen zu lassen. Sie war überfordert, wenn jemand sie mit Kritik konfrontierte.

ABER ich habe sie lieb!

Und deshalb versuchte ich, immer wieder bei ihr nachzufragen. Ich hörte ihr zu, wenn sie mir von ihren Erkenntnissen erzählte. Ich nahm mir viel Zeit zum Nachdenken und schickte ihr meine Gedanken in Form von Sprachnachrichten. Ich bekam nie eine Antwort. Mein Herz war und ist schwer. Meine Einladung zu einem Treffen blieb unbeantwortet. Und mein Herz begann zu schmerzen.

Drei meiner engsten Freundinnen und mein Mann rieten mir unabhängig voneinander, den Kontakt runterzufahren. Unsere letzten Treffen zogen viel Kraft und belasteten unser Familienleben. Und mein Herz weint. Noch nie habe ich eine so enge Freundin ziehen lassen, den Staub von meinen Füßen geschüttelt. Aber ich sehe es ein: Ich kann ihr nicht helfen und deshalb:

Rest in Peace – Abschied von meiner Freundin.

Ich übergebe Mara in die Hände ihres Schöpfers. Er ist der einzige, der ihr Herz erreichen kann. Und er ist treu. Vielleicht wird er sie zurückbringen und wir werden wieder Gemeinschaft miteinander haben. Vielleicht auch nicht.

Mein Herz schmerzt, blutet, weint. Ich habe dich lieb, Mara! Ich werde warten. Warten, dass du dich bei mir meldest. Warten, dass du deinen Blick auf Jesus richtest und ich werde beten.

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